
„Wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein, dann wirst du selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten.“ Lukas 14, 13 – 14
Wunderschön gedeckte Tische, alle Gäste haben einen Platz, vielleicht sogar mit Namensschild. Aufwendige Dekoration, passend zum Anlass, leckeres Essen von der Vorspeise bis zum Nachtisch – ich liebe Feste in Deutschland. Alles ist, mehr oder weniger, bis ins Detail geplant, die Musik stimmt und man unterhält sich gut.
Feste in Kenya sind auch schön. Hier kommt es allerdings nicht so sehr auf die Details an, sondern mehr auf die Bewältigung der Menge…
Ob Verlobungen, Hochzeiten, Beerdigungen oder andere traditionelle Feste – man weiß nie genau, wie viele Leute kommen. Sicher, bestimmte Leute haben eine persönliche Einladung erhalten, aber der Buschfunk läuft perfekt und spätestens zum Essen ist die ganze Umgebung versammelt. Bei unserer Hochzeit 2011 waren über 1.000 Leute da – ca. 600 von ihnen waren tatsächlich eingeladen… Aber alle werden wie selbstverständlich mitversorgt, jeder bekommt etwas zu essen und darf dabei sein. Sicher, nicht jeder hat einen eigenen Platz, viele sitzen auf dem Boden oder stehen am Rand. Es gibt keine Tische zum Essen, außer für die besonders wichtigen Leute. Alle anderen suchen sich einen Stuhl oder so und balancieren ihren Teller auf dem Schoß. Das Menü ist dementsprechend angepasst, es gibt Reis, Bohnen und Fleisch aus großen Töpfen, alle außer den Ehrengästen stehen an und warten geduldig, bis sie dran sind. Vorspeise und Nachtisch fallen aus, am Ende des Festes gibt es aber für jeden noch eine Tasse chai zum Abschied (kenyanischer Tee mit Milch und Zucker).
Beide Arten von Feiern haben ihre Reize – allerdings muss ich gestehen, dass ich noch nie „Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde“ eingeladen habe, es sei denn, sie gehören sowieso zu unseren Bekannten oder der Familie. Ja, in Kenya sind sie automatisch dabei und selbstverständlich akzeptiert, aber ausdrücklich eingeladen werden auch dort nur die, die man eh kennt.
Manchmal stehen Leute aus der Nachbarschaft vor der Tür und wollen etwas von mir. Dann fällt es mir je nach Situation eher schwer, freundlich zu bleiben und mir Zeit zu nehmen. Ich will es noch mehr üben, gastfreundlich zu sein, auch zu denen, die ich nicht selbst eingeladen hätte, zu denen, die nichts haben, um es mir „zu vergelten“.
Cornelia Letting
„Vergesst nicht, Fremden Gastfreundschaft zu erweisen, denn auf diese Weise haben einige Engel beherbergt, ohne es zu merken!“ (Hebräer 13, 2; Neues Leben)
Himmlischer Vater, hilf mir bitte, das immer mehr zu lernen, vor allem auch bei den Leuten, die mir auf den ersten Blick eher lästig sind. Amen
Seit 2008 lebt unser Vöhringer Gemeindeglied Cornelia Letting (geborene Halle) auf der Station Tinderet im westlichen Hochland Kenias, die vom Missionswerk DIGUNA („Die Gute Nachricht für Afrika“) unterhalten wird. So haben Cornelias biblische Besinnungen einen besonderen Erfahrungshintergrund.
