Cornelias Mittwochsbrief, 21. Oktober 2026

„Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Matthäus 6, 11

Alle die am 10. Oktober beim Frauenfrühstück in Illertissen waren, wissen, was jetzt kommt – für die meisten Kenyanerinnen und Kenyaner ist es ziemlich unwichtig, Brot zu haben. Brot ist etwas, das der Papa mit nach Hause bringt statt Süßigkeiten. Es gibt hier auch nur so ganz weiches, eher inhaltsloses Brot, von dem man definitiv nicht lange satt bleibt.
Kenyaner frühstücken meistens gar nicht, sondern trinken nur ein paar Tassen chai (Tee mit Milch und Zucker aufgekocht). Und abends würden sie schon gar kein Brot als Mahlzeit akzeptieren, damit kann man ja die Nacht nicht überstehen…
Es ist ein Standard-Witz, dass wir sagen, im Vater Unser müsste es heißen: „Unser tägiches ugali gib uns heute.“ Ugali ist sehr fester Maisbrei aus weißem Maismehl und Wasser gekocht, sonst ist da nichts drin. Das ist hier das grundlegendste Nahrungsmittel, wenn es auch sonst nichts gibt, für ugali reicht es immer noch.

Was hat Jesus also gemeint, als er vom Brot sprach? Ich denke, es gibt noch mehr Kulturen, in denen Brot eher eine untergeordnete Rolle spielt, es muss also um etwas mehr gehen als Vollkorn-, Roggen- oder Weißbrot…
In der Kiswahili Bibel (Landessprache in Kenya) heißt es z.B. nicht „mkate“ für Brot, sondern „riziki“ für Lebensgrundlage, Unterhalt. Es wäre interessant zu wissen, wie es in Chinesisch heißt oder in einem der Länder, wo es mehr Reis als Brot gibt.

Wir dürfen Gott um unseren Lebensunterhalt bitten, das wird hier wohl deutlich. Er möchte uns geben, was wir zum Leben brauchen.
Manchmal sind seine Vorstellungen davon, was das ist, sicher etwas anders als unsere – was bilden wir uns nicht alles ein, wirklich zu brauchen. Aber wenn wir mal zurückschauen, ging es nicht immer irgendwie weiter? Hatten wir nicht wenigstens genug zum Überleben, meistens sogar deutlich mehr?
Und gell, es heißt halt „heute“. Es heißt nicht „für die nächsten fünf Jahre“, oder auch nur für die nächste Woche. Unser Guter Hirte ist treu und er ist da für uns. Nicht nur ab und zu, sondern jeden Tag. Er führt uns auf „grüne Auen“ und zum „frischen Wasser“ (vgl. Psalm 23), er speist uns nicht mit Heu und Stroh oder einem Trog abgestandenem Wasser ab.

Vertrauen wir ihm und halten wir uns mit unserem Leben an das Vater Unser – lassen wir unsere Bitten für das, was wir brauchen, umschlossen sein von seinem Lob und seiner Herrlichkeit.

Cornelia Letting

„Unser Vater im Himmel, Dein Name werde geehrt. Dein Reich komme bald. Dein Wille erfülle sich hier auf der Erde genauso wie im Himmel. Schenk uns heute unser tägliches Brot und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben haben, die an uns schuldig geworden sind. Lass nicht zu, dass wir der Versuchung nachgeben, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dir gehört das Reich und die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“ (Matthäus 6, 9 – 13; Neues Leben, kursiv von mir)

Seit 2008 lebt unser Vöhringer Gemeindeglied Cornelia Letting (geborene Halle) auf der Station Tinderet im westlichen Hochland Kenias, die vom Missionswerk DIGUNA („Die Gute Nachricht für Afrika“) unterhalten wird. So haben Cornelias biblische Besinnungen einen besonderen Erfahrungshintergrund.

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