
„Wenn ihr den HERRN sucht, wird er sich von euch finden lassen.“ 2. Chronik 15, 2
In den zwei Texten der heutigen Losung finden wir wieder mal einen der scheinbaren Widersprüche im Reich Gottes:
Gott lässt den Menschen ausrichten, dass sie ihn suchen müssen. Nicht nur hier, sondern z.B. auch in Jeremia 29, 13 – 14. Er drängt sich nicht auf, will niemanden zwangsrekrutieren. Wenn jemand etwas von ihm will, muss er ihn suchen. Das Gute ist, dass er sich auch finden lassen will. Es ist nicht so, dass seine Kinder ihm auf die Nerven gehen und er lieber gar nichts mit ihnen zu tun haben will. Aber es muss eine ehrliche Suche sein, „von ganzem Herzen“ (s. Jer. 29, 13), er gibt sich nicht her als Wunscherfüller oder Machtgehilfe.
Und dann – kommt Gott selbst in Jesus auf die Erde. Nicht nur versteckt er sich nicht, sondern wird Mensch und damit ansprechbar. Und wie wir im zweiten Vers von heute lesen, nimmt er ziemliche Umwege auf sich, um in die Nähe von Menschen zu geraten, die ihn suchen, obwohl sie das vielleicht selbst noch gar nicht wissen (s. Johannesevangelium, Kapitel 4). Der Jakobsbrunnen bei Sychar lag nicht einfach auf dem Weg, den Jesus mit seinen Jüngern ging. Im Gegenteil hätte kein frommer Jude diesen Weg durch das Land der Samariter gewählt, sondern hätte einen großen Bogen um die Gegend gemacht. Aber Jesus wollte dort hin, weil er wusste, die samaritische Frau würde kommen, um Wasser zu schöpfen. In der Mittagshitze, wenn sonst niemand geht, weil sie nicht „gesellschaftsfähig“ war und sich nicht den Blicken und dem Geschwätz der anderen Frauen aussetzen wollte.
So treffen die beiden aufeinander. Und erst im Gespräch, das sich ergibt, entdeckt die Frau, wen sie wirklich gesucht hat in ihrem Leben. Und Jesus – er lässt sich von ihr finden: „Ich bin’s, der mit dir redet.“ (Johannes 4, 26) Er offenbart sich als der Messias, ganz persönlich für sie, an einem Ort, wo sie ihn sicher nicht erwartet hätte. Aber er war da, weil sie dort war. Und mit ihren Fragen machte sie deutlich, dass es ihr Ernst war. So löst sich der scheinbare Widerspruch irgendwie in Wohlgefallen auf.
Ich bin sehr froh, dass Gott sich nicht versteckt. Er hat uns mit der Bibel sogar ziemlich viele wichtige Hinweise gegeben, damit wir ihn finden können, wenn wir ihn von Herzen suchen. Also ihn so kennenlernen wollen, wie er ist, und nicht, wie wir ihn gerne hätten. Lassen wir uns darauf ein und wir werden aus dem Staunen nicht herauskommen.
Cornelia Letting
Jesus, heute will ich Dir besonders danken, dass Du alle Herrlichkeit im Himmel und bei Deinem Vater aufgegeben hast, um hier auf die Erde zu kommen. Du hast Gott für uns sichtbar gemacht, hast uns erklärt, wie Dein Reich funktioniert und alle eingeladen, daran teilzuhaben. Hilf uns, diese Einladung weiterzutragen, vor allem auch zu denjenigen, die nicht „gesellschaftsfähig“ sind. Amen
Seit 2008 lebt unser Vöhringer Gemeindeglied Cornelia Letting (geborene Halle) auf der Station Tinderet im westlichen Hochland Kenias, die vom Missionswerk DIGUNA („Die Gute Nachricht für Afrika“) unterhalten wird. So haben Cornelias biblische Besinnungen einen besonderen Erfahrungshintergrund.
