
„Jesus spricht: Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt.“ Johannes 13, 34
Wie jetzt – ein neues Gebot? Das Gebot der Nächstenliebe ist doch nicht neu, das gibt’s doch schon. Jesus selbst hat darüber mit einem der Gesetzeslehrer gesprochen, der nach dem höchsten Gebot gefragt hatte: „Der Mann antwortete: >Du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit deiner ganzen Kraft und all deinen Gedanken lieben. Und: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.< >Richtig!< bestätigte Jesus. >Tu das, und du wirst leben!<“ (Lukas 10, 27 – 28; Neues Leben) Anschließend musste Jesus die Geschichte vom Barmherzigen Samariter erzählen, damit klar wurde, wer der „Nächste“ eigentlich ist (V. 30 ff.).
Anscheinend tun wir Menschen uns doch ein bisschen schwer mit der Liebe. Es hat schon im Alten Testament nicht gereicht, dass Gott geboten hat, wir sollen ihn lieben und unseren Nächsten. Er musste dazu klar machen, was er darunter verstand: „von ganzem Herzen, von ganzer Seele…“, also mit allem, was wir haben und sind. Und „deinen Nächsten wie dich selbst“.
Damit war ein Anhaltspunkt gegeben, eine Art Richtwert. Jeder Mensch liebt nunmal sich selbst mehr als alles andere, zumindest seit wir jenseits von Eden leben. Gott hat also nicht gemeint, wir sollten uns selbst mehr lieben, damit auch der Nächste nicht zu kurz kommt.
Bei meinen kenyanischen Freunden ist es sehr „in“, tolle Bilder von sich selbst zu posten und denn „self love“ (Selbstliebe) drunter zu schreiben, als wäre das etwas Erstrebenswertes.
Nein, Gott fordert uns auf, unseren Nächsten mindestens so zu lieben, für ihn zu sorgen, sich um ihn zu kümmern, wie wir das mit uns selbst auch tun. – Den Teil, wo wir darüber sprechen müssen, dass es Menschen gibt, die sich selbst verachten oder wertlos finden, heben wir uns für einen anderen Tag auf… –
Mit der Geschichte über den Barmherzigen Samariter hat Jesus das Ganze etwas konkreter gemacht. Nicht umsonst nennen wir Menschen so, die sich aufopferungsvoll um andere kümmern.
Jetzt zurück zu unserem Vers heute – was ist also neu an dem Gebot?
Die Jünger waren inzwischen drei Jahre mit Jesus unterwegs gewesen. Sie hatten ihn erlebt im Umgang mit Gott und anderen Menschen. Noch kurz vor dieser Aussage hatte er ihnen als ihr Herr die Füße gewaschen. Und nun hebt er das ganze Gebot der Nächstenliebe auf die nächste Stufe: liebt einander, wie ich euch geliebt habe.
Ein besseres Beispiel dafür, wie wir unsere Mitmenschen lieben sollen, könnte es nicht geben. Jesus hat alles gegeben, einschließlich seines Lebens. Für die Jünger, für mich, für uns alle, damit wir „nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben“ (s. Joh. 3, 16).
Er hat sich gekümmert, auch wenn er müde war, er hat Menschen angenommen, so wie sie waren, ist ihnen auf Augenhöhe begegnet. Er hat sich mit Pharisäern und anderen Besserwissern herumgeschlagen, weil auch sie Gott wichtig sind. Er hat Menschen geheilt, von innen und außen.
Das ist Nächstenliebe für Fortgeschrittene und ich wünsche uns, dass Gott uns hilft, diesem Beispiel so gut wie möglich zu folgen.
Cornelia Letting
Jesus, Du hast mir mit Deinem Leben hier auf der Erde gezeigt, wie ich meine Mitmenschen lieben kann. Ganz praktisch, schnörkellos und echt. Vielen Dank für alle, die Deinem Beispiel schon mit voller Kraft folgen und so Deine Liebe auf der Welt verbreiten. Bitte schenke uns Geduld, Durchhaltevermögen und Freude dabei. Amen
Seit 2008 lebt unser Vöhringer Gemeindeglied Cornelia Letting (geborene Halle) auf der Station Tinderet im westlichen Hochland Kenias, die vom Missionswerk DIGUNA („Die Gute Nachricht für Afrika“) unterhalten wird. So haben Cornelias biblische Besinnungen einen besonderen Erfahrungshintergrund.
