Cornelias Mittwochsbrief, 24. Juni 2026

„Dies ist das Zeugnis Johannes des Täufers: Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ Johannes 3, 30 – Spruch zum Johannistag

In Zeiten, in denen die Selbstdarstellung mancher Menschen bizarre Formen annimmt, klingen diese Worte von Johannes dem Täufer ziemlich seltsam. Und wenn man sich seine Person ein bisschen näher anschaut, wird es noch seltsamer: Johannes ist ein Cousin von Jesus, ein halbes Jahr älter, der Sohn von Zacharias. Seine Geburt und deren Vorgeschichte werden im Lukasevangelium ausführlich beschrieben (Kap. 1 und 3). Zacharias singt ein ganzes Loblied, in dem es unter anderem heißt: „Und du, mein Kind, wirst Prophet des Allerhöchsten genannt werden, weil du dem Herrn den Weg ebnen wirst. Du wirst seinem Volk verkünden, wie es Rettung finden kann durch die Vergebung seiner Sünden.“ (Johannes 1, 26 – 27, Neues Leben).
Als Erwachsener ist Johannes keineswegs unauffällig und leise. Er lebt in der Wüste, trägt Kleider aus gewebtem Kamelhaar und einen Lederriemen um die Hüften; er ernährt sich von Heuschrecken und wildem Honig. (vgl. Matthäus 3, 4; NL) Irgendwann erhält er eine Botschaft von Gott und von da an ruft er die Menschen zur Umkehr. Auch das tut er nicht mit diplomatischem Geschick oder freundlich und leise. Er sagt den Menschen, die zu ihm kommen: „Ihr Schlangenbrut! Wer hat euch eingeredet, ihr könntet dem bevorstehenden Gerich Gottes entgehen? Beweist durch euren Lebenswandel, dass ihr euch wirklich von euren Sünden abgekehrt und Gott zugewandt habt. (v. 7 – 8, NL)
Johannes war ein wichtiger und bekannter Mensch, er hätte berühmt werden und sich selbst ein Denkmal setzen können. Stattdessen benutzte er seine ganze Bekanntheit, um auf jemanden anderen hinzuweisen – Jesus Christus, Gottes Lamm, den Messias.
Dabei war er so radikal, dass er nichts für sich selbst rausschlug und am Ende eingesperrt und geköpft wurde. Wie leicht hätte er sich als „Vorboten des Messias“ vermarkten können, als „Prophet des Allerhöchsten“, wie schon sein Vater vorausgesagt hatte…
Aber er wollte nichts für sich selbst als die Freude zu sehen, dass Menschen zu Gott umkehren und Jesus nachfolgen (vgl. Johannes 3, 27 – 30).

Wie radikal sind wir, bin ich, in dieser Hinsicht? Weisen wir andere mit allem, was wir haben und sind auf Jesus hin?

Wenn man mit einem Verein wie Diguna unterwegs ist, ist die Gefahr besonders groß, dass Menschen sich eher an die blauen LKWs erinnern als an die Botschaft, die wir gebracht haben. Dass es am Ende heißt: „Diguna hat uns eine Kirche gebaut / Nahrungsmittel gebracht / eine Schule eröffnet“. Dabei sind wir nur die Ausführenden, der Auftrag kommt ganz klar von Gott. Und immer mit der Priorität, dass Menschen sein Evangelium hören und begreifen lernen.

Nehmen wir uns ein Beispiel an Johannes und werden wir noch ein bisschen radikaler, wenn es darum geht „abzunehmen“, damit Jesus „zunehmen“ kann. Es müssen ja nicht gleich Heuschrecken und Kamelhaarkleider sein…

Cornelia Letting

Himmlischer Vater, heute danke ich Dir für alle Menschen, die selbst nie im Vordergrund stehen, aber mit aller Kraft auf Dich und unseren Messias, Jesus Christus, hinweisen. Segne sie und lass ihre Botschaft klingen: „Seht her! Da ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“ (Joh. 1, 29; NL) Amen.

Seit 2008 lebt unser Vöhringer Gemeindeglied Cornelia Letting (geborene Halle) auf der Station Tinderet im westlichen Hochland Kenias, die vom Missionswerk DIGUNA („Die Gute Nachricht für Afrika“) unterhalten wird. So haben Cornelias biblische Besinnungen einen besonderen Erfahrungshintergrund.

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