
„Paulus schreibt: Dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium und bei allen andern offenbar geworden, und die meisten Brüder in dem Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind umso kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu.“ Philipper 1, 13 – 14
Wenn man in Kenya jemanden fragt, wie es ihm oder ihr geht, bekommt man fast immer zu hören „nzuri sana“, oder „si mbaya“ – also „sehr gut“ oder „nicht schlecht“. Erst wenn man sich eine Weile unterhält und weiter nachfragt, erfährt man vielleicht, dass die kranke Mutter zu Hause gepflegt wird, die Ernte schlecht ausfiel und dass kein Geld für die Schulgebühren der Kinder da ist.
Wenn man in Deutschland jemanden das Gleiche fragt, kommt normalerweise viel schneller raus, was alles nicht stimmt: das Wetter ist zu heiß oder zu kalt, der Benzinpreis zu hoch – und nie zu niedrig, die Politik ist völlig daneben und nicht mal die Fußballnationalmannschaft konnte einen begeistern dieses Jahr.
Das trifft natürlich nicht auf alle zu – weder hier noch in Kenya – aber es ist ein Trend erkennbar zwischen „positivem Denken“ und eher pessimistischer Sicht auf die Dinge.
Was hat das mit unserem Text zu tun? Paulus ist im Gefängnis, seine Reisetätigkeit ist drastisch eingeschränkt. Seine Zukunftsaussichten sind bescheiden, und seiner Gesundheit ist das Ganze vermutlich auch nicht zuträglich. Er hätte allen Grund, enttäuscht zu sein von Gott und den Menschen.
Aber was sieht er? Dass die ganze, vermutlich römische, Belegschaft schon gehört hat, dass er für Jesus Christus streitet – wer weiß, wie viele von ihnen dadurch zum wahren Glauben gekommen sind. Und dass seine Brüder trotz oder gerade wegen seiner Umstände so ermutigt wurden, dass sie seine Arbeit draußen weiterführen und mutig das Evangelium verkünden, wo sie vorher eingeschüchtert und ängstlich waren.
Bei allen Schwierigkeiten, die das Leben so mit sich bringt, wünsche ich uns diese Sichtweise. Eine Sichtweise, die darauf vertraut, dass Gott weiß, was er tut und was er nicht tut. Und die sich darauf verlässt, dass am Ende alles zum Guten gedient haben wird – auch wenn das jetzt noch nicht so aussieht (s. Römer 8, 28).
Schauen wir nach den Blüten im Kaktus und lassen wir uns von den Dornen nicht zu sehr ablenken.
Cornelia Letting
Großer heiliger Gott, mein himmlischer Vater, manchmal versinkt mein Blick in den Problemen und Schwierigkeiten, die es gibt, in meinem Leben und auf der ganzen Welt. Dann tut es gut, von Leuten wie Paulus zu lesen, die trotz aller Widrigkeiten auf das Gute schauen, das daraus entsteht. Die sich auf das Mögliche konzentrieren, und nicht am Unmöglichen hängen bleiben. Hilf mir bitte, auch so jemand zu werden und den Menschen um mich herum die Freude zu vermitteln, die aus dem Glauben an Dich entsteht. Amen.
Seit 2008 lebt unser Vöhringer Gemeindeglied Cornelia Letting (geborene Halle) auf der Station Tinderet im westlichen Hochland Kenias, die vom Missionswerk DIGUNA („Die Gute Nachricht für Afrika“) unterhalten wird. So haben Cornelias biblische Besinnungen einen besonderen Erfahrungshintergrund.
