
„Gideon sprach zu dem Engel des HERRN: Ist der HERR mit uns, warum ist uns dann das alles widerfahren?“ Richter 6,13
Den Israeliten geht es schlecht. Ständig werden sie von anderen Völkern überfallen, ausgeraubt und geplündert. Tiere, Ernte, alles wird vernichtet oder von den Midianitern, Amalekitern und anderen gestohlen. Das Volk lebt in Angst, sie ziehen sich in Höhlen auf den Bergen zurück, damit ihnen wenigstens ihr Leben bleibt.
Mitten in dieses Szenario kommt der Engel des HERRN zu Gideon, der seinen Weizen in einer Weinkelter drischt, damit er nicht entdeckt wird. Dieser Engel sagt zu Gideon: „Der HERR ist mit dir, tapferer Held.“ (V. 12, Neues Leben) Es klingt eher wie Hohn, nicht wie eine Ermutigung und Gideon hat dann auch so seine Zweifel, wie unser Losungsvers zeigt.
Warum geht’s den Israeliten überhaupt so schlecht? Warum leidet Gottes eigenes Volk so sehr? Vers 1 aus unserem Kapitel heißt: „Wieder taten die Israeliten Böses in den Augen des HERRN und der HERR lieferte sie für sieben Jahre den Midianitern aus.“ (NL) Gott hatte sogar einen Propheten geschickt, der ihnen erklärte, dass das alles passierte, weil sie nicht auf Gott und sein Gebot gehört hatten (V. 8).
Der Zusammenhang scheint klar: das Volk versündigt sich gegen Gott, darum geht es ihm schlecht. Spannend wird es, wenn wir das Ganze auf uns heute übertragen. So vielen „guten“ Christenmenschen geht es schlecht. Sie leben mit verschiedensten Krankheiten und Schmerzen, kämpfen ständig gegen die Armut oder müssen ihren Glauben verstecken, weil sie sonst eingesperrt oder getötet werden. Man könnte sich schon fragen – wenn Gott mit ihnen ist, warum geht’s ihnen dann nicht besser? Sicher sind wir alle nicht perfekt, aber wir versuchen doch nach Kräften, Gottes Gebot zu halten und ihm nahe zu sein.
Es gibt noch einen anderen Ansatz, den Zusammenhang wenigstens ein bisschen zu verstehen: „Freut euch deshalb von Herzen! Vor euch liegt eine große Freude, auch wenn ihr für eine Weile viel erdulden müsst. Dies dient nur dazu, euren Glauben zu prüfen, damit sich zeigt, ob er wirklich stark und rein ist. Er wird erprobt, so wie Gold im Feuer geprüft und geläutert wird – und euer Glaube ist Gott sehr viel kostbarer als bloßes Gold.“ So schreibt es Petrus an Christen, die in der Fremde leben und es vermutlich auch nicht gerade leicht haben (1. Petrus 1, 6 – 7; NL, 2. Text für heute).
Könnte es sein, dass Herausforderungen und Krisen uns „fit“ für den Himmel machen sollen? Dass durch das „Läutern“ im Feuer von Problemen und schwierigen Zeiten Unreinheiten wie Neid, Eifersucht, Zorn, Habgier… ausgebrannt werden, die in Gottes Nähe nunmal nichts zu suchen haben?
Sicher, manchmal verpasst Gott mir einen „Schuss vor den Bug“, wenn ich in Gefahr bin, zu weit vom richtigen Weg abzukommen. Aber vieles Schwere, das mir widerfahren ist, hat tatsächlich dazu gedient, dass ich geduldiger, freundlicher und stärker in meinem Glauben werde – auch wenn wir noch lange nicht am Ende dieses Prozesses sind…
Cornelia Letting
Himmlischer Vater, oft verstehe ich nicht, warum um mich herum so viel Leid herrscht, warum Menschen in meiner Familie, Freunde und Bekannte, die doch zu Dir gehören, krank werden oder keine Arbeit finden und gegen die Armut ankämpfen müssen. Trotzdem vertraue ich darauf, dass Du es gut mit ihnen und mir meinst, und dass Du nichts Schlimmes zulässt, wenn es nicht unbedingt sein muss. Amen.
Seit 2008 lebt unser Vöhringer Gemeindeglied Cornelia Letting (geborene Halle) auf der Station Tinderet im westlichen Hochland Kenias, die vom Missionswerk DIGUNA („Die Gute Nachricht für Afrika“) unterhalten wird. So haben Cornelias biblische Besinnungen einen besonderen Erfahrungshintergrund.
