Cornelias Mittwochsbrief, 27. Mai 2026

„Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Lukas 7, 22

Aufheben oder wegwerfen, bewahren oder abschaffen – für beides gibt es starke Verfechter quer durch Gesellschaftsschichten, Familien und interkulturelle Teams wie Diguna. Unsere Kenyaner heben gern alles Mögliche auf, man könnte es ja nochmal verwenden – vielleicht. Dann kommen junge deutsche Kurzzeitler und meinen als erstes, man müsste mal gründlich entrümpeln und ausräumen…
Auch mit den beiden Testamenten der Bibel geht es so: manche meinen, wir hätten jetzt ein neues Testament und bräuchten das alte nicht mehr. Andere vertiefen sich lieber in den alten Geschichten und Weisheiten und übersehen, dass Gott durch Jesus einen neuen Bund mit uns geschlossen hat.

Johannes der Täufer ist im Gefängnis und (ver-)zweifelt. Er weiß nicht mehr, was richtig ist und lässt bei Jesus nachfragen, ob er denn wirklich der lang ersehnte Messias sei (V. 19). Und Jesus? Er fängt nicht an, sich zu rechtfertigen oder zu beweisen, er fühlt sich nicht beleidigt ob solcher Zweifel an seiner Person. Er sagt den Jüngern von Johannes nur, was schon im Alten Testament über ihn geschrieben steht, und was sich gerade jetzt vor ihren Augen erfüllt (V. 21). Im Buch des Propheten Jesaja gibt es mehrere Stellen, an denen genau diese Dinge vorausgesagt werden (vgl. z.B. Jesaja, Kapitel 35 oder 42). Johannes hat die Stellen auf jeden Fall gekannt – er hat nur die Verbindung nicht hergestellt.
Auch den Jüngern von Jesus geht es später noch so. Sie hätten vieles von dem, was passieren musste, schon wissen können aus den Alten Schriften, erkannten das aber erst im Nachhinein. Wie oft passiert mir das? Ich kenne doch Gottes Wort, zumindest etwas, und doch denke ich oft nicht an seine Versprechen – oder seine Warnungen.

Jon Courson hat gesagt, für jedes Prinzip, das uns im Neuen Testament gelehrt wird, gibt es eine passende Geschichte im Alten Testament. Also muss es vielleicht gar nicht „entweder – oder“ sein. Ich finde es faszinierend, wie oft tatsächlich eine Verbindung zwischen dem Alten und dem Neuen Testament hergestellt werden kann. Nicht unbedingt von mir, aber von Leuten, die sich damit auseinandersetzen. Greifen wir hinein in diesen Schatz, den Alten und den Neuen – schöpfen wir aus der Fülle – dafür hat Gott ihn uns gegeben.

Cornelia Letting

„Dass Dein Wort in meinem Herzen starke Wurzeln schlägt und Dein Geist in meinem Leben gute Früchte trägt, Deine Kraft durch mich die Welt zu Deinem Ziel bewegt – Herr, Du kannst dies Wunder tun.“ (Theo Lehmann) Amen.

Seit 2008 lebt unser Vöhringer Gemeindeglied Cornelia Letting (geborene Halle) auf der Station Tinderet im westlichen Hochland Kenias, die vom Missionswerk DIGUNA („Die Gute Nachricht für Afrika“) unterhalten wird. So haben Cornelias biblische Besinnungen einen besonderen Erfahrungshintergrund.

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Cornelias Mittwochsbrief, 27. Mai 2026

„HERR, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist dir gleich, der so herrlich und heilig ist, schrecklich, löblich und wundertätig?“ 2. Mose 15, 11

Ein Siegeslied – so lautet der Titel zu unserer Losung und den Versen drum herum. Die Israeliten waren sicher und trocken durch das Meer gekommen, die Ägypter in den Fluten ertrunken. So singen Mose und das Volk Gott spontan ein Lied – toll, wenn man sowas kann…
Sie preisen ihn und danken ihm für das Wunder, das sie gerade erlebt haben. 18 Verse lang klingt es ungefähr so: „Wir wollen dem HERRN singen, denn er ist hoch erhaben. … Der HERR ist ein mächtiger Krieger; HERR ist sein Name. Der HERR ist König immer und ewig!“ (s. 15, 1 – 18; Neues Leben)

Interessant ist, dass noch im Kapitel vorher die Israeliten völlig verzweifelt waren. Sie standen zwischen dem ägyptischen Heer und dem Meer und wussten nicht ein noch aus. Sie jammerten und beschimpften Mose, keine Spur von Vertrauen in den wundertätigen und heiligen Gott. (s. 14, 10 ff.)
Und auch in den Versen nach dem Siegeslied kommen wieder die Zweifel hoch, weil das Wasser, das sie finden, bitter ist (s. 15, 22 ff). Wieder beschwert sich das Volk, vergessen ist der Lobgesang von vorher.

Die Versuchung ist groß, sich über das Volk Israel auszulassen, über ihre Unbeständigkeit und ihr kurzes Gedächtnis zu urteilen.
Aber wie sieht es denn in unserem Leben aus? Haben wir nicht auch diese Höhen und Tiefen, Zweifel und Angst wechseln sich ab mit Freude und Lob? Gerade noch danke ich Gott für etwas, das er wunderbar gemacht hat, nur um mir im nächsten Moment doch wieder Sorgen zu machen. Und schon kurz darauf juble ich wieder, weil ich Gottes Treue erfahren habe.

Vielleicht ist das so in unserem Leben, oder? Vielleicht lösen sich Hochs und Tiefs gegenseitig ab, vielleicht können wir nicht immer nur singen und jubeln, sondern haben Zeiten von Angst und Verzweiflung.
Und vielleicht ist es einfach nur wichtig und gut, zwischen den Sorgenzeiten die Jubelzeiten nicht zu vergessen. Das kann helfen, nicht im Sumpf der Probleme zu versinken, sondern sich ganz bewusst auf Gott auszurichten und die kleinen und großen Wunder zu bestaunen, die er auch heute noch tut.

Cornelia Letting

Himmlischer Vater, heute danke ich Dir wieder einmal für Deine Liebe und Geduld, Deine Güte und Treue. Wie schnell bin ich abgelenkt davon, sobald ein kleines oder großes Problem auftaucht, wie schnell sehe ich nur die hohen Wellen, die mich fast überrollen, und nicht mehr Dich. Danke, dass Du mich besonders in diesen Zeiten festhältst, danke, dass es zwischendurch auch immer wieder Zeiten von Jubel und Siegesliedern geben darf. Amen.

Seit 2008 lebt unser Vöhringer Gemeindeglied Cornelia Letting (geborene Halle) auf der Station Tinderet im westlichen Hochland Kenias, die vom Missionswerk DIGUNA („Die Gute Nachricht für Afrika“) unterhalten wird. So haben Cornelias biblische Besinnungen einen besonderen Erfahrungshintergrund.

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Cornelias Mittwochsbrief, 20. Mai 2026

„Die Jünger zogen aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen.“ Markus 16, 20

„Nach den ältesten Textzeugen endet das Markus-Evangelium mit Vers 8. Die Verse 9 – 20 sind im 2. Jahrhundert hinzugefügt worden, …“ – so heißt es in einer Fußnote der Lutherbibel.
Wie froh bin ich, dass jemand die letzten 12 Verse doch noch drin haben wollte, wir hätten echt was verpasst. Und ich rede dabei nicht von den verschiedenen Begegnungen der Jünger mit Jesus nach der Auferstehung. Auch nicht vom sogenannten Missionsbefehl in den Versen 15 – 16, die wir in der Vorbereitung auf unseren Dienst auswendig lernen mussten… Nicht mal die Auferstehung selbst ist, was mich so beeindruckt – obwohl sie für mein Leben wirklich sehr wichtig ist.
Den tollsten Vers finde ich den 2. Text unserer heutigen Losung – und das weiß ich erst, seit ich ihn gelesen hab, um dazu etwas zu schreiben. Da steht, dass die Jünger nach Jesu Himmelfahrt überall Gottes Wort verbreitet haben. Und jetzt kommt’s: „Und der Herr wirkte mit ihnen…“ (Hervorhebung von mir). Er hat sie also nicht einfach an die Arbeit geschickt und sich in den Himmel verabschiedet. Er wirkte mit ihnen – und ich behaupte, das tut er heute immer noch. Er wirkt mit allen, die in Worten und Taten und mit ihrem ganzen Leben sein Wort verbreiten.
Und noch immer bekräftigt unser Herr sein Wort durch „mitfolgende Zeichen“: Menschen hören zum ersten Mal, dass sie geliebt sind; neue Hoffnung findet Wege aus der Ausweglosigkeit; es gibt Heilung, seelisch und körperlich; Menschen finden Frieden in ihren Herzen trotz aller Widrigkeiten – kleine und große Wunder geschehen.

Zu wissen, dass Jesus ganz praktisch mit uns zusammenarbeitet – gibt das nicht neuen Mut und neue Motivation?
Packen wir’s an, oder bleiben wir dran – und staunen wir, was wir mit Gottes Hilfe alles bewirken können, im Kleinen und im Großen.

Cornelia Letting

Herr Jesus, wie gut es tut zu lesen, dass Du nicht nur in meinem Leben anwesend bist, mich nicht irgendwie aus der Ferne führst und leitest. Sondern dass Du ganz praktisch mit mir zusammenarbeitest, wenn ich Menschen um mich herum für Dich begeistern will. Hilf mir und uns allen, die in Deinem Dienst stehen, dass wir uns nicht zu sehr auf die „mitfolgenden Zeichen“ konzentrieren. Sondern darauf, Dein Wort verständlich und klar an andere weiterzugeben, damit sie sich entscheiden können, ob sie mit uns zusammen Dir folgen wollen. Amen

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Cornelias Mittwochsbrief, 13. Mai 2026

„Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.“ Lukas 23, 46

Es wird viel gestorben um mich herum. Vor allem in Kenya, wo die medizinische Versorgung noch nicht so fortgeschritten ist. Da stirbt ein Zweijähriger an einer Lungenentzündung, weil kein Sauerstoff da ist. Viele erwischt der Krebs, nur wenige können geheilt werden. Viele alte Menschen sterben auch nach einem langen Leben – mit oder ohne Krankheit am Schluss. Oft ist es dann gar eine Erlösung, wenn jemand endlich gehen darf.
Aber auch hier in Deutschland schreitet die Zeit voran. Ehemalige Lehrerinnen und Lehrer, Gemeindemitglieder, Eltern von Freunden – ich bin in einem Alter, in dem die Generation über mir sich nach und nach verabschiedet.

Wie gehen wir damit um? Wie bereiten wir uns auf diesen Abschnitt unseres Lebens vor? Tun wir es überhaupt, oder tun wir eher alles, um jung, fit und gesund zu bleiben? Das Ende so lange wie möglich hinauszuzögern oder gar „abzuschaffen“? Lassen wir uns lieber einfrieren in diesem Leben als uns auf das nächste zu freuen?
Denn das ist für uns Christen doch klar: der Tod hat schon lange nicht mehr das letzte Wort. Sterben ist für uns nicht das Ende, sondern nur ein Schritt zu einem neuen Anfang hin. Dem Anfang eines Lebens mit dem dreieinigen Gott, das kein Ende mehr haben muss.
Der Weg dahin mag schwierig sein, für manche zu schwierig, um ihn durchzustehen. Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst…“ (Johannes 16, 33). Das ist so, und gerade zum Ende hin vermutlich nochmal schlimmer als sonst schon. Doch Jesus sagt auch: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28, 20) Und er wäre nicht Jesus, wenn der Vers aus Johannes kein „aber“ hätte: „…aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

Ich wünsche uns allen, dass wir uns nicht mit allen Mitteln bis zum Schluss abkämpfen müssen und diesen Kampf dann doch „verlieren“. Sondern dass wir, wenn es so weit ist, mit Jesus sagen können: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.

Cornelia Letting

Jesus, Du hast uns nicht nur gezeigt, wie ein Leben mit Gott aussehen kann, sondern auch, wie wir das Sterben meistern können. Du hast gelitten bis zum Schluss, warst verraten, verlassen und verletzt. Doch Du hast Dich fest an Deinen Vater, gehalten, selbst als er Dich ebenfalls verlassen musste. Du hast ihm Deinen Geist überlassen und Er konnte Dich durch den Tod zum ewigen Leben auferwecken. Damit hast Du auch für uns die Tür zum ewigen Leben aufgeschlossen und wir können uns darauf freuen, die Ewigkeit mit Dir zu verbringen. Danke, dass wir den schwierigen Schritt von einem Leben zum andern nicht allein gehen müssen wie Du. Danke für Deinen Trost und Deine Hilfe gerade in den schwersten Stunden. Amen

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Cornelias Mittwochsbrief, 6. Mai 2026

„Christus hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen vor den gebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte; und er ist erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt.“ Hebräer 5, 7

Ich kann mir das nur schwer vorstellen, dass Jesus mit lautem Schreien und unter Tränen zu seinem Vater gefleht hat – bis zu dem Moment im Garten kurz vor seinem Tod.
Ob er wohl vorher schon solche Zeiten hatte, wo er verzweifelt und weinend mit Gott gerungen hat? Bei all den Geschichten, die er „in den Tagen seines irdischen Lebens“ erlebt hat, wäre das nur allzu verständlich, oder?
Wir erfahren nicht sehr viel darüber, was oder wie Jesus mit seinem Vater gesprochen hat, wenn er alleine war. Aber wenn ich so drüber nachdenke, war es vermutlich nicht immer nur wohl formuliert und ausgeglichen.
Jesus war ein Mensch wie „du und ich“, mit allen Emotionen, Schwierigkeiten, Höhen und Tiefen, die wir auch mitmachen im Lauf unseres Lebens. Er hatte Kämpfe auszutragen, mit sich selbst und anderen. Das alles konnte er aushalten, weil er in sehr enger Verbindung zu Gott stand und ihn „in Ehren hielt“.

Und das ist vielleicht der Knackpunkt an dem Ganzen: es kommt nicht so sehr darauf an, wie wohl formuliert meine Gebete sind, oder zu welchem Zeitpunkt ich sie spreche. – In Kenya sind viele Christen zum Beispiel davon überzeugt, dass es wichtig ist, mitten in der Nacht aufzustehen und zu beten. –
Es ist auch nicht wichtig, ob ich laut oder leise bete, in welcher Sprache oder an welchem Ort. Wichtig ist die Verbindung zu Gott und der Gehorsam, der daraus entsteht.
Ich finde es tröstlich zu wissen, dass unser himmlischer Vater ein „dahergestammeltes“ Gebet ohne Form und Rahmen, wenn es „echt“ ist, genau so hört, wie ein gut überlegtes und durchdachtes.

Cornelia Letting

Jesus, Gottes Sohn und Menschensohn, danke dass Du es auf Dich genommen hast, hier auf die Erde zu kommen und uns zu zeigen, wie wir in enger Verbindung mit Gott dem Vater leben können. Amen

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Cornelias Mittwochsbrief, 29. April 2026

„Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.“ Sprüche 31, 8

„Neglected and destitute” – vernachlässigt und hilflos – sind die Kinder, die wir in unserem Regenbogen Kinderheim in Tinderet aufnehmen. Bevor sie zu uns kommen, besuchen wir sie in ihrem „Zuhause“. Dann wird oft klar, dass irgendjemand seinen Mund auftun muss, wenn diese Kinder eine Chance haben sollen.
Sind sie dann erst einmal bei uns, sind sie schnell gar nicht mehr stumm und verlassen – wie man am Lärm auf dem Spielplatz merkt. Oder daran, dass sie mit der Schule landesweit an Musik- und Sportwettbewerben teilnehmen.

Seinen Mund auftun, kreativ werden, um Menschen zu helfen, die einsam, krank, verlassen oder gefährdet sind – dafür muss man nicht nach Afrika gehen.
So viele gute Beispiele gibt es hier in Deutschland, große Organisationen, aber auch ganz persönliche Geschichten aus der Nachbarschaftshilfe, der Kirchengemeinde, und anderen Gruppen, die sich zusammenfinden, damit Not gelindert wird und Menschen eine Chance bekommen.

Darauf liegt Gottes Segen, wie Jesus selbst gesagt hat: „Kommt, ihr seid von meinem Vater gesegnet, ihr sollt das Reich Gottes erben, das seit der Erschaffung der Welt auf euch wartet. Denn ich war hungrig, und ihr gabt mir zu essen gegeben…“ (Matthäus 25, 34 – 36; Neues Leben).
Manchmal ist diese Arbeit mühsam, kostet Kraft, Nerven und Geld, und man sieht keine nennenswerten Fortschritte. Manchmal passt die Art und Weise, wie wir helfen wollen und können, nicht mit den Bedürfnissen derer zusammen, die diese Hilfe bekommen sollen.
Aber manchmal hat man auch ein Erfolgserlebnis, jemand bedankt sich, man sieht eine Entwicklung, jemand hat gelernt, sich wieder selbst im Leben zurechtzufinden. Tun wir unseren Dienst im engen Kontakt mit unserm himmlischen Vater. Er weiß, was jeder Mensch braucht, er kann uns zeigen, wie wir zielgenau helfen. Konzentrieren wir uns auf die kleinen Fortschritte. Sehen wir die Menschen an, mit denen wir es zu tun haben und lernen wir sie richtig kennen. Dann wird der Segen nicht lange auf sich warten: „Was ihr für einen der Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan!“, sagt Jesus.

Cornelia Letting

Jesus, manchmal fällt es mir schwer, Dich in den Menschen zu sehen, die meine Hilfe brauchen. Ich sehe mehr die Unannehmlichkeiten, den Aufwand, und die Zeit, die mir „verloren“ geht. Verzeih mir bitte und lehre mich, den Blick auf das Wesentliche zu konzentrieren: meinem Bruder, meiner Schwester zu helfen, weil wir alle Gottes Kinder sind. Amen

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Cornelias Mittwochsbrief, 22. April 2026

„Du erkennst ja in deinem Herzen, dass der HERR, dein Gott, dich erzogen hat, wie ein Mann seinen Sohn erzieht.“ 5. Mose 8,5

Tun wir das? Erkennen wir, dass Gott uns erzieht auf den Wegen, die er uns führt? Die noch bessere Frage: wollen wir das überhaupt? Wollen wir uns unter Gottes Führung stellen und uns von ihm sagen lassen, wo’s langgeht? Sind wir nicht selber groß? Können wir mit dem, was unser Verstand uns sagt, nicht ganz gut zurechtkommen?

Das Volk Israel stand am Ende seiner Wüstenwanderung. 40 Jahre von Gott „im Kreis“ geführt, 40 Jahre durchaus nicht nur Höhen, sondern auch viele Tiefen – Hunger, Durst, feindlich gesinnte Menschen, eigene Aufsässigkeit, es war alles dabei. Und warum das Ganze? „Dadurch wollte er euch demütigen und auf die Probe stellen, um euren wahren Charakter ans Licht zu bringen und um zu sehen, ob ihr seine Gebote befolgen würdet oder nicht.“ (V. 2, Neues Leben)
Während der Wanderung war den Israeliten sicher nicht immer klar, was da ablief. Sie stolperten von einer Krise in die nächste, die Höhepunkte zwischendurch schnell vergessen, wenn’s wieder brenzlig wurde. Sicher, sie hatten Gott sichtbar bei sich, durch die Wolken- und Feuersäule zeigte er ihnen deutlich seine Gegenwart und ihren Weg. Aber ich bezweifle, dass sie „in ihren Herzen“ erkannten, wozu das alles gut sein sollte.

Wie ist das mit uns heute, mit mir? Bin ich bereit, auf mein Herz zu hören, das mir sagt, Gott arbeitet an meinem Charakter, wenn sich die Schwierigkeiten vor mir auftürmen? Tät’s mir nicht manchmal ein bisschen weniger Charakter, wenn es dadurch weniger Probleme gäbe?

Zum Glück hört Gott nicht darauf, wenn ich so dummes Zeug denke. Und wenn sich mein Verstand dann wieder einschaltet, erkenne ich in meinem Herzen, dass jede Krise mich stärker macht, jede Angstsituation zu mehr Vertrauen führt, jede schöne Begebenheit mich ein bisschen mehr von Gottes Größe und Schönheit sehen lässt.
Und von seiner Liebe für mich, die sich nicht von meinen Befindlichkeiten abhalten lässt, mir Gutes zu tun und mich durch’s Leben zu führen.

Cornelia Letting

Himmlischer Vater, heute danke ich Dir für die Geschichten mit Deinem Volk, die Du mir in der Bibel zum Nachlesen gegeben hast. Wie oft erkenne ich mich selbst darin, stelle fest, dass ich genauso denke und handle, wenn ich Probleme und Sorgen habe. Das bedeutet aber auch, dass ich genauso mit Deiner Liebe, Deiner Geduld und Deiner Vergebung rechnen darf – danke! Amen.

Seit 2008 lebt unser Vöhringer Gemeindeglied Cornelia Letting (geborene Halle) auf der Station Tinderet im westlichen Hochland Kenias, die vom Missionswerk DIGUNA („Die Gute Nachricht für Afrika“) unterhalten wird. So haben Cornelias biblische Besinnungen einen besonderen Erfahrungshintergrund.

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Kommen Tiere in den Himmel? Ein Rückblick auf das Glaubensgespräch im Vöhringer Blue Lagoon am 19. April

Das war ein gelungener Auftakt zu der Glaubensgesprächsreihe „Gott und die Welt“ im Vöhringer Blue Lagoon in der Memminger Straße – Full House mit über 70 interessierten Zuhörern und Mitrednern. Dank an Roland Binder und Pater Georg Wiedemann CPPS für die Initiative, bei der auch Kaplan Peter Schneider und ich als theologische Diskutanten zu Wort kamen. Schön, dass Thomas Kempf den Nachmittag fotographisch begleitet hat. Als nächster Termin ist der Samstag, 4. Juli, um 17 Uhr im Blue Lagoon vorgesehen zum Thema „Kann unser Glaube zum Sieg führen“. Im Anschluss ist dort Public Viewing angesagt, das Viertelfinalspiel bei der Fußball-WM um 19 Uhr, in dem sich Deutschland gegen Frankreich wiederfinden könnte.

Hier eine inhaltliche Zusammenfassung des Glaubensgesprächs, das ich mit KI-Hilfe erstellt habe:

Kommen Tiere in den Himmel

Die Frage, ob Tiere in den Himmel kommen, berührt nicht nur unsere Emotionen, sondern führt mitten hinein in grundlegende theologische Überlegungen: Was meinen wir überhaupt, wenn wir vom „Himmel“ sprechen? Allzu leicht wird dieser als Projektionsfläche eigener Wünsche verstanden – ein Ort, an dem wir uns ausmalen, was uns glücklich machen würde. Die christliche Tradition zeichnet jedoch ein anderes Bild: Der Himmel ist kein bloßes Fantasiegebilde, sondern die allumfassende Gegenwart Gottes. Dort wird das Leben in einer Weise von göttlicher Liebe erfüllt, dass es an nichts fehlt – ein ewiges Leben, das gerade nicht in Langeweile erstarrt, sondern in vollkommener Beziehung besteht.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage neu: Ist diese göttliche Gemeinschaft auch für Tiere vorgesehen? In der klassischen christlichen Lehre wurde dies oft verneint oder zumindest skeptisch betrachtet. Ein zentrales Argument lautet, dass Tiere keine „Vernunftseele“ besitzen und daher nicht in derselben Weise wie der Mensch auf ein ewiges Leben hingeordnet seien. Doch diese Sicht ist nicht unumstritten. So hat etwa Kaplan Peter Schneider dafür plädiert, die theologische Perspektive zu erweitern. In einer christlichen Tierethik lässt sich durchaus eine individuelle Beziehungsfähigkeit von Tieren zu ihrem Schöpfer erkennen. Tiere sind nicht bloß biologische Wesen, sondern Geschöpfe, die auf ihre Weise am Lob Gottes teilhaben.

Ein Blick in die biblische Überlieferung unterstützt diese Öffnung. Die prophetischen Visionen vom messianischen Frieden – etwa in Jesaja 11,6–8 oder 65,25 – entwerfen ein Bild der erneuerten Schöpfung, in der auch die Tierwelt verwandelt ist: Wolf und Lamm leben friedlich zusammen, und selbst gefährliche Tiere verlieren ihre Bedrohlichkeit. Diese Texte sprechen nicht ausdrücklich von einem „Himmel“ für Tiere, wohl aber von einer umfassenden Versöhnung der gesamten Schöpfung, in die Tiere ausdrücklich einbezogen sind.

Auch aus einer existenziellen Perspektive lässt sich weiterdenken. C. S. Lewis hat darauf hingewiesen, dass die Gemeinschaft zwischen Mensch und Haustier mehr ist als bloße Zweckbeziehung. Für viele Menschen gehören ihre Tiere zu ihrem Leben in einer Weise, die ihre Identität mitprägt. Wenn nun das ewige Leben die Vollendung dieser personalen Existenz bedeutet, könnte eine Gottesgemeinschaft ohne diese vertrauten Geschöpfe als unvollständig erscheinen. In diesem Sinne könnte die Liebe des Menschen zu seinem Tier dieses gleichsam „mitnehmen“ in die Gegenwart Gottes.

Theologisch gewinnt diese Hoffnung an Tiefe, wenn man sie im Licht des christlichen Heilsverständnisses betrachtet. Der Epheserbrief spricht davon, dass Gottes Heilsplan darauf zielt, „alles in Christus zusammenzuführen“ – das, was im Himmel und auf Erden ist. Christus ist der, durch den und auf den hin alles geschaffen ist und der die Schöpfung neu in Beziehung zu Gott setzt. Der Prolog des Johannesevangeliums beschreibt ihn als das Wort, das in die Welt gekommen ist, um das Seine zu erneuern. Ziel dieser Bewegung ist, dass Gott „alles in allem“ sei (1 Korinther 15,28). Diese universale Perspektive schließt zumindest die Möglichkeit ein, dass nicht nur der Mensch, sondern die ganze Schöpfung – und damit auch die Tiere – in die Vollendung einbezogen wird.

Wenn wir konkret an unsere eigenen Haustiere denken, die wir beim Namen kennen und zu denen wir eine persönliche Beziehung haben, wird die Frage besonders drängend. Sind auch deren Namen im „Buch des Lebens“ (Psalm 69,29; vgl. Lukas 10,20; Offenbarung 13,8) aufgeschrieben? Hier verweist die Theologie – wie etwa Pater Georg betont – letztlich auf den Glauben an das Heilswerk Christi. Nicht unsere Gefühle allein entscheiden, sondern das Vertrauen darauf, dass Gottes Erlösung umfassender ist, als wir es uns vorstellen können.

In überraschend anschaulicher Weise hat bereits Martin Luther diese Hoffnung ausgedrückt. Auf die Frage, ob es im ewigen Reich auch Tiere geben werde, antwortete er bejahend: Die erneuerte Schöpfung werde nicht leer sein, sondern von neuen, verwandelten Geschöpfen erfüllt. In poetischer Sprache beschreibt er sogar, wie Tiere ihre Gefährlichkeit verlieren und in friedlicher Gemeinschaft mit den Menschen leben. Diese Vorstellung greift die biblische Verheißung auf: eine neue Erde, auf der die ursprüngliche Harmonie der Schöpfung wiederhergestellt ist.

So bleibt die Frage nach den Tieren im Himmel offen – aber nicht unbegründet. Zwischen theologischer Zurückhaltung und hoffnungsvoller Weite spannt sich ein Raum, in dem sich sagen lässt: Wenn Gottes Liebe wirklich alles durchdringt und zur Vollendung führt, dann ist es zumindest denkbar, dass auch die Tiere ihren Platz in dieser erneuerten Gemeinschaft haben.

Jochen Teuffel

„Kraft Gottes“–Bibelgespräche zum Römerbrief beginnen am Mittwoch, 22. April

In der Bibel ist der Römerbrief des Apostels Paulus ein besonders anspruchsvoller Text. Er hat Martin Luther die Botschaft von der Rechtfertigung allein aus Glauben an Jesus Christus entdecken lassen. Unter Anleitung von Pfarrer Jochen Teuffel wird an vier Abenden dessen Bedeutung für uns Christen heute erschlossen.
Die Bibelgespräche finden jeweils mittwochs von 19.30 bis 21.00 Uhr im Gemeindehaus in Vöhringen statt. Eine Teilnahme an einzelnen Abenden ist möglich:

22. April – Kapitel 1-3
20. Mai – Kapitel 4-7
10. Juni – Kapitel 8-11
15. Juli – Kapitel 12-16.