Barockmusik in der Auferstehungskirche

Innerlich loslassen – die Seele baumeln lassen – Musik genießen:

Herzliche Einladung zu einem besonderen Konzert:

Sonntag 16.04., 17.00 Uhr Barockmusik in der Auferstehungskirche.

Gespielt wird Musik aus Frankreich, Italien und Deutschland in unterschiedlichen Besetzungen: Triosonaten (Geige, Blockflöte und Orgel), solistische Sonaten (Geige bzw. Blockflöte und Orgel) sowie Orgel solo.

Hier stellen wir Ihnen noch die Musiker*innen vor:

Rosemarie Gold hat Musik mit Hauptfach Blockflöte studiert. Seit 1990 ist sie Lehrkraft an der Musikschule Oberkochen-Weihung.

Annegret Sperl studierte Violine, Viola, Orgel und Kla­vier am Meistersinger Konser­vatorium Nürnberg. Sie ist nebenamtlich Kirchenmusikerin – auch in unserer Gemeinde. Sie unterrichtet Geige und Klavier und ist Konzertmeisterin im Kammerorchester von St. Martin, Illertissen.

Markus Hubert studierte Realschullehramt, Kirchenmu­sik (A-Diplom) und Orgel in Nürnberg und Augsburg. Von 2002-2022 war er hauptamtlicher Kirchen­musiker der Stadtpfarrei St. Martin/Illertissen, wo er neben dem Orgelspiel in Gottesdienst und Konzert den Kirchen­chor, Kammerchor und das Kam­merorchester leitete und eine Vielzahl von Konzerten konzipierte und organi­sierte. Seit 2002 unterrichtet er Englisch und Musik an der Johannes-von-La Salle-Realschule Illertissen.

Predigt der Dekanatssynode Frühjahr 2023

Dieses Mal kam die Predigt im Gottesdienst der Frühjahrssynode aus unserer Region. Marit Hole, die als Springerin gerade die Vakanazvertretung in Illertissen macht, hat sie gehalten:

Lesung: Exodus 16,2-3.11-18

Liebe Mitglieder und Gäste der Dekanatssynode!

Wenn es um die Mittagszeit bei uns daheim an der Türe läutet, und die Kinder von der Schule kommen, dann werde ich meistens mit dieser einen, zentralen und alles entscheidenden Frage begrüßt: „Was gibt es zum Essen?“ Und der Satz „ich bin am Verhungern“, folgt gleich auf dem Fuße. Wehe mir, wenn ich nichts Anständiges auf dem Herd stehen habe. Zu viel Gemüse etwa oder Kartoffeln anstelle von Nudeln. Das kommt gar nicht gut an. Dann werden die Gesichter lang und das Gemurre ist vorprogrammiert.
Eine ähnliche Enttäuschung, vielleicht etwas zurückhaltender und vornehmer vorgebracht, kenne ich auch von den Patientinnen und Patienten in der Klinik. Wer einen anstrengenden Vormittag voller herausfordernder Therapien und Visiten hinter sich hat, freut sich auf ein gutes Essen – und ist frustriert, wenn es nicht lecker schmeckt.

Im ersten Moment kommt uns das Verhalten der Israeliten in diesem Bericht von den Wachteln und dem Manna auf der Wüstenwanderung auch recht kindlich entgegen, fast so, wie bei mir daheim. Die Bibel beschreibt, wie sie die Köpfe zusammenstecken, wie sie sich zusammenrotten und wie sie murren. „Hätte uns der Herr doch getötet, als wir noch in Ägypten waren! Dort saßen wir vor vollen Fleischtöpfen und konnten uns am Brot satt essen…“ Murren, darin steckt das Murmeln. Das ist das Geräusch, das den Klagen und Vorwürfen vorausgeht. Das ist der Ärger, der noch keine Worte gefunden hat.
Aber die Israeliten beschweren sich nicht darüber, dass das Essen ihnen nicht passt oder schmeckt. Denn ihnen ist das Essen ganz ausgegangen. Sie wissen nicht, was sie ihren Kindern auf den Teller legen sollen. Vergessen ist das Hochgefühl, die Begeisterung darüber, dass sie vom Sklavendasein in Ägypten befreit sind. Wenn die eigenen Kinder hungern, dann muss an der Sache etwas faul sein. Dann kann es so nicht weitergehen. Stünde dieser Gott wirklich auf ihrer Seite, könnte er den Hungertod in der Wüste nicht zulassen. „Hätte Gott uns doch in Ägypten sterben lassen…“

An vielen Stellen geht die Bibel sehr kritisch um mit diesen murrenden Israeliten. Immer wieder wird ihre Undankbarkeit gegenüber Gott herausgestellt, ihre kurze Sicht. Aber diesmal bleibt der Tadel aus. Irgendwie haben die Menschen recht. Und so folgt der Klage die Rettung auf dem Fuße. Mit dem süß schmeckenden Manna und mit den Wachteln können sie den Hunger ihrer Kinder stillen. Die Gegenwart Gottes bei seinem Volk bewährt sich jetzt im alltäglichen Überlebenskampf. Sie ermöglicht den Israeliten, neu zu sehen:

Israels Menschen entdecken, dass auch die karge Landschaft der Sinai-Halbinsel Nahrung bereithält: ihre Augen werden geöffnet für die Schwärme erschöpfter Wachteln, die sich abends zur Rast niederlassen. Und sie entdecken eine Speise, die man auch heute noch probieren kann. „Manna“ heißt dieses Wüstenbrot. Natürlich war das nicht der ganze Speisezettel. Im Lauf der Zeit entdeckten die Israeliten noch manches andere, was zum Überleben half.

Trotzdem: die Tage, da Israel Manna und Wachteln entdeckt, sind entscheidend für seine Glaubensgeschichte. Denn sie entdecken nicht nur neue, bislang ungewohnte Nahrungs­quellen. Sie entdecken: dieser Gott lässt uns nicht im Stich; dieses Land lässt uns nicht im Stich, auch wenn wir zuerst nur wahrnehmen, wie wüst und karg es dort ist. Hier gibt es eine Zukunft. Es war doch kein Fehler, die sichere Unfreiheit gegen die ungewisse Freiheit zu tauschen.

Warum vertiefen wir uns in diese alte Geschichte vom Volk Israel in der Wüste?
Sie ahnen es: nicht allein das Volk Israel war auf dem Weg durch die Wüste
Auch wir wissen darum, wie unerbittlich die Wüste menschliches Leben bedrohen kann. In Krankheit. Im Abbruch von Beziehungen. In den Lebensträumen, die sich nicht erfüllen. Unser Leben ist verletzlich. Es braucht nicht viel, bis eine Wüste entsteht. Und oft genug tragen wir selbst einen Teil dazu bei.

Es liegt auch uns so nahe, zu klagen und zu murren. Wären wir doch in Ägypten geblieben…. Wo soll das hinführen? Herr, wo bleibst Du? Wir spüren nichts von Dir. Da ist nur Leere. Wir kommen hier um.

Bei meinen Begegnungen im Therapiezentrum in Burgau erlebe ich aber manchmal genau das Gegenteil. Ich spreche mit Patientinnen und Patienten, die sich ganz entschieden darum bemühen, die es sich selbst verordnen, nicht zu murren und zu jammern. Auch dann, wenn es ihnen schlecht geht. Sie versuchen, das, was sie beschwert, zu verbergen, manchmal sogar vor sich selbst. Sie haben verinnerlicht, dass wir im Leben immer positiv denken sollen. Ganz besonders aber möchten sie Ihre Angehörigen nicht belasten. Den Ehepartner, der zuhause plötzlich allein zurechtkommen muss. Die Kinder, die ja eh´ schon so viele Umstände haben mit den Fahrten zur Klinik, den Arztgesprächen und dem ganzen Papierkram. Sie wollen auch den Pflegerinnen ihre Arbeit so unkompliziert wie möglich machen, und ja niemandem zur Last fallen. Also warten sie lieber nochmal eine halbe Stunde, ehe sowieso jemand ins Zimmer kommt, auch wenn der Schlauch der Sonde so blöd scheuert oder sie die ganze Nacht wach liegen. Und wenn die Familie zu Besuch ist, nehmen sie all ihre Energie zusammen, um optimistisch zu sein und die Sorgen der Anderen nicht zu vergrößern. (Es ist unangenehm auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Vielleicht sogar auf die Hilfe Gottes?)

Der Bericht vom Manna und den Wachteln schickt uns auf einen anderen Weg. Er drängt eben nichts weg. Er macht leise aber unmissverständlich Mut zum Murren. Mut dazu, uns an Gott zu wenden, selbst dann, wenn der Ärger noch nicht gebändigt, unsere Formulierungen noch unausgereift sind, und wir noch nicht alle eigenen Möglichkeiten vollständig ausgeschöpft haben.

„Ich habe das Murren der Israeliten gehört“, sagt Gott zum bedrängten Mose. Gott greift ein. Nicht spektakulär mit Feuer und Rauch, nein – ganz einfach: er hört hin. Er hört auch das, was hinter unseren unbeholfenen, manchmal kindlichen Worten steckt. Manchmal ändert das was, wenn einer in seiner Not gehört wird. Manchmal eröffnet das den Raum, selbst in der Wüstennot etwas zu entdecken, das die Seele nährt und neue Kraft schenkt. An erster Stelle steht dann nicht die Aufforderung: denke positiv und sieh auf die Chance, die in der Krise liegt. An erster Stelle steht das Vertrauen: Gott hört mich.

Was für einzelne menschliches Schicksale gilt, betrifft uns auch gemeinsam, auf den Durststrecken und in der Wüstennot, in der wir als Gemeinschaft unterwegs sind. Wir fragen uns schon so lange: warum erreichen wir mit der frohen Botschaft, die wir in unseren Gemeinden verkünden, so viele Menschen nicht? Warum laufen sie weg? Dabei sind wir doch längst aufgebrochen, haben frischen Wind in unsere Kirchen gelassen, probieren Neues und trauen uns was. Aber die Austrittszahlen steigen trotzdem. Das ist so gemein! Gott, so höre doch. Deine Kirche ist in Not. Du hast verheißen, dass einst alle Völker gemeinsam zu deinem Berg ziehen, und dein Lob aus vielen Stimmen erklingt. Stattdessen stehen unsere Kirchen leer.
Und auch als Menschengemeinschaft scheitern wir, irren durch selbstgemachte Wüsten: unsere Waffen und unser Eigennutz veröden und verwüsten ganze Landschaften, zerlegen Städte in Trümmerfelder und machen aus Oasen lebensfeindliche Orte. Warum gelingt es uns nicht, dem Bösen zu wehren, in Frieden zusammenzuleben, endlich Pflugscharen aus den Schwertern zu machen und unsere Erde zu bewahren. Dabei sind wir auch hier aufgebrochen, haben uns auf den Weg gemacht. Wir ringen um das Für und Wider von Waffenlieferungen und darum, auf welchem Weg wir am schnellsten Frieden erreichen. Wir setzen Klimaziele und bemühen uns zukunftsweisende Gesetze. Aber der Weg ist so weit und unsere Schritte mickrig, unsere Entschiedenheit zu schwach angesichts der Aufgaben.  Wir murren. Wir klagen: Gott, wie lange soll das noch gehen?

Den Israeliten fällt in der Wüste das stärkende Manna zu Füßen. Sie öffnen die Augen und lernen, zu fragen. Man hu? Was ist das? Was ist das, Gott, das mir da gerade begegnet? Es ist ungewohnt und fremd. Es sind nicht die Fleischtöpfe Ägyptens. Es entspricht auch nicht meiner Vorstellung vom gelobten Land, in dem Milch und Honig fließen. Sie müssen umdenken. Sie lernen, genau hinzusehen. Sie testen das Manna und stellen fest: „es macht ja satt. Die Wüste lebt ja. Es gibt Bewahrung auch dort, wo Leben bedroht ist, fern alles Vertrauten und fern aller Gewohnheiten. Gott ist auch auf Durststrecken an unserer Seite.“ Sie gewinnen eine neue Sicht und neue Sicherheit. Denn Gott hört. Er geht mit, auch in Zeiten des Umbruchs und der Wüste.

Manna und Wachteln. Es war nichts Besonderes, das Gott damals auftischte. Eine einfache Wegzehrung. Sie schenkte Kraft für den Weg durch die Wüste. Wachteln und Manna. Brot und Wein. Auch wenn wir gleich Abendmahl miteinander feiern, sind die Zutaten nichts Besonderes. Und doch: sie sind Zeichen der Gegenwart Gottes: Er hört. Er ist da! Gegenwärtig in dem, was Leben vermittelt und neue Hoffnung schenkt. Ob in Wüstenzeiten oder in Zeiten der Fülle: Gott ist da! Auch hier und heute.

Amen

Spirituelle Nachtwanderung für Männer

Jesu eindringlicher Wunsch an seine Jünger in der Nacht des Gründonnerstag war: „Wachet und betet!“ Wir stellen uns diesem Auftrag und gehen vorwiegend im Schweigen gemeinsam durch diese Nacht, um zu beten, unseren Körper und die Natur wahrzunehmen. Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung
sind nötig. Eingeladen sind Männer jeden Alters und aller Konfessionen, den Gründonnerstag in besonderer Weise spirituell zu begehen.

6. April 2023
20.15 – 23.00 Uhr
Christuskirche Illertissen

Lobpreis am Ostermontag

Auferstehung feiern – fröhlich singen und Gott loben – sich neu berühren lassen von Ostern:

Lobpreis am Ostermontag, 10.00 Uhr, Auferstehungskirche Senden

mit D4C und einer besonderen Osterbotschaft

mit Amazing Praise & Pfarrerin Kathrin Bohe

Heilfasten in der Gruppe

„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht …“ (Mt 6,16)

Wie 2022 wird es auch dieses Jahr wieder eine Heilfastengruppe geben. 5 Tage nach dem Konzept des Buchinger Fastens wird eine Nahrungspause eingelegt. Der Körper ernährt sich nun von seinen Reserven. „Jetzt können die Pfunde fließen…“ ist einer von vielen angenehmen Begleiterscheinungen. Es ist eine tolle Möglichkeit den Wert der Nahrung wieder neu schätzen zu lernen und sein Essverhalten mit Abstand zu betrachten. Der Körper hat Zeit sich zu entgiften und sich von Abhängigkeiten wie Medikamente und Genussmittel zu lösen.

Wir starten am Sonntag den 12.3. um 15:30 Uhr mit einem Spaziergang. Dies ist auch der Entlastungstag.
An den kommenden 5 Tagen wird gefastet. Bei einem täglichen Treffangebot können Fragen geklärt, sowie Erfahrungen ausgetauscht werden.

Interessenten – auch gerne für Rückfragen – melden sich bitte direkt unter haller.ha2@t-online.de.

Für telefonische Kontaktaufnahme bitte im Pfarramt Vöhringen die Telefonnummer angeben, dann rufe ich Sie gerne zurück.

Auf Euer Kommen freut sich
Hans Haller

Neue Vertretungspfarrerin in Illertissen

Wir freuen uns, dass Frau Pfarrerin Marit Hole uns ab sofort hilft, die Vakanz zu überbrücken. Pfarrerin Hole hat in unserem Dekanat eine halbe Stelle als „Springerin“ und wird in den Gemeinden eingesetzt, wo die Not am größten ist.

Am Sonntag, den 5. Februar wurde sie unserer Gemeinde im Gottesdienst vorgestellt. Wir wünschen ihr, dass sie sich schnell in unserer Gemeinde wohlfühlt.

t-Gespräche

Im März beginnt eine neue Veranstaltungsreihe im Gemeindehaus Vöhringen.

t-Gespräche nenne ich sie: Am Vormittag ein halbstündiger Impulsvortrag mit anschließendem Gespräch. Dazu eine Tasse Tee.

Das erste t-Gespräch findet am Donnerstag, 9. März um 10 Uhr. Ich werde die Lebensgeschichte der Ärztin Anne Spoerry (1918-1999) vorstellen, die in Kenia als fliegende Ärztin (Mama Daktari) hunderttausende Patienten behandelt hatte und doch eines nicht vermochte – ihr eigenes Verbrechen
wiedergutzumachen.

Der Termin für das zweite t-Gespräch ist Donnerstag, 11. Mai um 10 Uhr. Das Thema wird noch rechtzeitig bekanntgegeben.

Jochen Teuffel

Gabriele Burmanns Predigt zum Ersten Gebot im Rahmen der Predigtreihe „Zehn Gebote entfaltet“

Predigt über das Erste Gebot

Von Gabriele Burmann, Dekanin i.R., Neu-Ulm

Liebe Gemeinde,

Heute geht es um das erste Gebot:

Ich bin der Herr dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben, neben mir. (2.Mose 20,2-3)

Heute stehe ich vor Ihnen, nachdem ich ein Berufsleben lang Geschichten über Gott erzählt habe, selbsterlebte oder überlieferte Spuren seines Daseins und Wirkens verfolgt und weitergegeben habe, ja auch mal vergeblich nach ihm gesucht und gefragt, auch mal mit ihm gehadert habe. Was bleibt wichtig? Ist er mir näher gekommen im Laufe der Jahre, oder eher ferner gerückt? Verstehe ich heute mehr von seinem Wesen? Kommt jede Rede von Gott nicht vielleicht altmodisch rüber, klingt wie aus einer längst vergangenen Zeit? Was ist mit den 10 Geboten?

Sind sie vielleicht längst überflüssig? Der Mensch hat sich emanzipiert, hat Moral gelernt und Rücksichtnahme und Respekt? Längst ohne den Glauben an den einen Gott? Aber in unerschütterlichem Stolz auf die eigene Größe.

Wenn ich zurückschaue, auf den 60er Jahre: Da haben Manche gehofft, dass die Technik uns Menschen zu Vernunft bringen wird: Die Mondlandung hat gezeigt, zu welchen Höhenflügen der Mensch fähig ist.

In den 90er Jahren nach der Wende waren wir wie berauscht vom Wunder der gewaltlosen Wiedervereinigung Deutschlands und der offensichtlichen Auflösung der verfeindeten Blöcke. Endlich bricht Frieden an und Gerechtigkeit bricht sich Bahn. Endlich kann sich die Menschheit um die Bewahrung der Schöpfung, die Rettung der Mitwelt kümmern.

Und dann die Ernüchterung. In den letzten Jahren mehrere große Ohnmachtserlebnisse:

Eine Pandemie – Dabei ist das schlimmste die Erkenntnis, dass auch in der Not jeder sein Nächster ist, und so viel Eigennutz und Ratlosigkeit zu spüren war.

Und dann der Krieg in Europa. Wir wollten Frieden schaffen ohne Waffen, ich stand damals in der Menschenkette im Wiley gegen den Nato Doppelbeschluss, dort wo die Pershings stationiert waren. Und nun feiert wieder der Gedanke vom gerechten Krieg ein Comeback und wir erleben eine in Lager zerrissene Welt:

Viel zu oft haben wir in der letzten Zeit gemerkt, dass wir nichts oder fast nichts zu einer Besserung der Situation beitragen können. Ohnmachtserfahrungen führen zu Depression oder Wut. Die Trommeln der „Spaziergänger“ vom Freitag, die durch Ulm und Neu-Ulm gezogen sind, dröhnen mir noch im Gedächtnis.

Oder wie es manche jungen Menschen tun, in ihrer Hilflosigkeit: Sie kleben sich an Straßen und Startbahnen, sie klettern auf Bäume und verschanzen sich in aufgelassenen Häusern. Sie stören auf vielfältige Weise, sie zeigen ihre Verzweiflung und verstoßen dabei gegen Gesetze. Und dabei haben sie doch Recht mit ihrer Mahnung zur Umkehr.

Wer ein politisches Amt innehat, erlebt auch dass er oft hilflos ist, gegen Sachzwänge und Rücksichten die nichts vorwärtsbringen, was doch Not tut.

Währenddessen kommen immer mehr Geflüchtete aus verschiedenen Gegenden der Welt zu uns, erwärmt sich die Erde weiter und die alten Grenzen von Nationen und Machtblöcken erstehen auf, auch der Wahn von Rassenunterschieden gewinnt an Attraktivität.

Wie klingt da das Wort in unseren Ohren: Ich bin der Herr dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir?

Mich befördern diese Worte mit einem Mal heraus aus den vielen Stimmen und Nachrichten. Sie tun mir gut. Ruhe umgibt mich. Ich spüre den langen Atem Gottes. Eine ganz andere Zeitrechnung: 1000 Jahre sind vor dir, wie der Tag der gestern vergangen ist und wie eine Nachtwache. (Psalm 90,4)

Ich nehme einen anderen Blickwinkel ein: Ich sehe die Erde aus weiter Ferne als winzigen leuchtenden Punkt im dunklen Weltall.

So konnte man kürzlich mithilfe einer Raumsonde unsere irdische Heimat zum ersten Mal sehen. Das Bild hat mich fasziniert.

Nein, das ist noch lange nicht der Blickwinkel Gottes. Aber wir können in der Betrachtung der Erdgeschichte eine winzige Ahnung von den Zeitläuften gewinnen. Jahrmillionen sind abzulesen an Felsformationen und Spuren fossiler Lebewesen.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch. Ich kann sie nicht begreifen (Psalm 139.6),so staunt der Psalmbeter vor Tausenden von Jahren und spricht mir aus dem Herzen.

Und der biblische Hiob erkennt nach vielen Höhen und Tiefen, nach persönlichen Schicksalsschlägen und Zweifeln die Größe Gottes. Aus dem tiefsten persönlichen Unglück heraus zeigt Gott ihm seine gewaltige Größe – am Himmel und auf der Erde und im Erdinneren, im Leben der Tiere und in den Jahreszeiten, in Wind und Wetter …und da staunt er und findet sich ab mit seinem bescheidenen Platz im großen Universum und tut Buße. So findet seine Seele Ruhe und Heilung…..

Und Hiob antwortete dem Herrn und sprach: „Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. Wer ist der, der den Ratschluss verhüllt mit Worten ohne Verstand? Darum habe ich unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe. So höre nun, lass mich reden; ich will dich fragen lehre mich: Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche“ […] Und der Herr wandte das Geschick Hiobs. (Hiob 42, 1ff)

Das ist der Weitwinkel Gottes. Und wie ich finde, die einzig wahre Haltung von uns Menschen auf das Erlebnis eigener Winzigkeit und Ohnmacht: In Demut zu verharren vor dem der gesagt hat, ich bin der Herr dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Wer bin ich, dass ich rechte und mich beschwere?

Ich muss mich mit meinem bescheidenen Platz im großen Universum abfinden.

Und doch steckt im 1. Gebot auch etwas Tröstliches. Es bleibt nicht beim unpersönlichen Fatum, wir werden nicht ins Dasein geworfen von dunklen Schicksalsmächten und gehen verloren, sondern wir vernehmen eine persönliche Stimme:

Ich bin dein Gott.- Ich lasse mich auf dich ein. Ich sehe dich. Ich suche dich auf. Ich hoffe auf deine Antwort: Keine anderen Götter sollst du haben.

Martin Luther führt in seiner Auslegung zum 1. Gebot meinen Blick vom Universum auf die Erde, von den Sternen auf die Gassen: vom Weitwinkel in die Makro-Funktion.

Wir sollen Gott über alle Dinge, fürchten, lieben und vertrauen.

Gott fürchten, dazu höre ich eine Stimme, die sagt: Gott lässt sich nicht spotten. Was der Mensch säht, das wird er ernten. (Galater 6,7)

Dazu gehört, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen. Und insbesondere mit denen, die uns anvertraut sind. Wie gehen wir mit den Kleinen um in den Kitas und Schulen? Wie nehmen wir Rücksicht im Straßenverkehr auf die Langsamen und Unbeholfenen? Kümmern wir uns um unsere Umwelt in unserer Nähe? Erheben unsere Stimme, wo unnötig Bäume gefällt werden, wo ein Kindergarten nicht gebaut werden darf, weil die Kleinen stören und schmutzen?

Lassen wir die Mutter mit dem schreienden Kind an der Kasse vor und sprechen wir mit dem Mann ohne Obdach wenigstens ein paar Worte, haben vielleicht noch etwas für ihn übrig?

In Gottes Namen, sagen manche: Ja das ist die Haltung: Gott über alle Dinge zu fürchten.

Und wir lieben ihn, wenn wir seine Geschöpfe, auch die schwierigen, die wütenden, die psychisch Kranken sehen und ertragen.

Gott über alle Dinge lieben, heißt auch das Feindbild das wir in uns tragen, in Frage stellen zu lassen.

Neulich hat mich eine Nachricht aus dem Kriegsgeschehen in der Ukraine sehr bewegt. Da wurde eine Gruppe russischer Soldaten von einem Geschoss tödlich getroffen, weil die jungen Männer ihre Handys benutzt hatten. So hatten sie sich verraten.

Mir ist das sehr nah gegangen. Die jungen Männer sind wie die jungen Männer auf der Gegenseite, von ihren Lieben getrennt und hatten wohl einfach Kontakt gesucht mit Kurzmitteilungen, vielleicht mit Selfies aus der Gefechtsstellung. Sie könnten unsere Söhne, unsere Enkel sein…

Liebe deinen Feind. Er ist wie du. Müssen wir uns die Feindesliebe aufsparen, bis zum Ende des Krieges aller Kriege, gleichsam als Luxus für Friedenszeiten?

Wir glauben an den einen großen Gott. Aber der hat sich uns in atemberaubend schlichter Weise genähert: Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, (Philipper 2,7) in Jesus und der hat unser Dasein geteilt. Und in der kurzen Zeitspanne seines irdischen Lebens gezeigt, dass der große Gott voller Liebe ist.

Jesus hat die Kinder und die Armen und die Benachteiligten gesehen und in den Mittelpunkt seiner Botschaft gestellt. Und er hat uns die schwere Feindesliebe ans Herz gelegt.

Zum guten Schluss sagt Martin Luther: Du sollst Gott über alle Dinge vertrauen.

Dazu möchte ich Ihnen eine erlebte Geschichte von mir erzählen, sie wurde mir zum Gleichnis:

Wir waren in einem Wadi in Israel. Auf einmal mussten wir, Dekans Kollegen aus Schwaben, eine Leiter an einer hohen steilen Wand hinaufsteigen.

Ich war die Letzte. Alle anderen waren schon hinaufgeklettert.

Ich hatte keine Wahl. Wenn ich nicht alleine unten im Wadi stehen bleiben wollte, musste ich diesen haushohen Aufstieg wagen.

Ich bin Sprosse für Sprosse hinaufgestiegen. Aber am schlimmsten war die Vorstellung in Turmhoher oben aussteigen zu müssen.

Ich habe gerufen: Ist da wer? Und von oben kam die Antwort: Ja komm, ich reiche dir meine Hand, ich helfe dir heraus. Danke Kollege.

Das war eine echtes Vertrauensübung.

Und für mich ist es ein Bild für das Leben, das ein Wagnis bleibt und in dem es keine andere Sicherheit gibt, als die Stimme von oben: Ich bin dein Gott. Ich sehe dich. Geh deinen Weg. Schritt für Schritt…

Wir sollen Gott über alle Dinge vertrauen.

Lasst es uns wagen. In Gottes Namen.

Amen.

Gehalten am Sonntag, 12. Februar 2023 in der Martin-Luther-Kirche in Vöhringen/Iller im Rahmen der Predigtreihe „Zehn Gebote entfaltet“.

Hier die Predigt als pdf.